Montag, 2. November 2009

Delaware (USA), Luxemburg und Schweiz führen den Schattenfinanzindex des Netzwerk Steuergerechtigkeit an

Pressemitteilung


(Berlin, 2.11.09) Fünf Tage vor dem G20-Treffen in Großbritannien stellt das internationale Netzwerk Steuergerechtigkeit (Tax Justice Network) erstmals seinen Schattenfinanzindex (Financial Secrecy Index FSI) vor. Dieses neuartige Ranking listet den US-Bundesstaat Delaware auf Platz eins der Steuer- und Verdunkelungsoasen, noch vor Luxemburg, der Schweiz und den Kaimaninseln. G20-Gastgeber Großbritannien steht mit der City of London auf Platz fünf.


Der Index trägt der Tatsache Rechnung, dass geringe Transparenz – undurchlässiges Bankgeheimnis, fehlende Publizitätspflichten für Unternehmen, Verschleierung der Eigentumsverhältnisse von Stiftungen und Trusts u. a. – für Steueroasen inzwischen zu einem ebenso wichtigen Standortfaktor geworden ist wie die geringe Besteuerung. Der Index, das Ergebnis zweijähriger unabhängiger Forschungsarbeit von Wissenschaftlern und Steuerexperten, erhebt systematisch die rechtlichen Rahmenbedingungen von 60 Schattenfinanzplätzen sowie deren jeweiliges Gewicht am globalen Finanzmarkt.


„Mit diesem bislang einzigartigen Ansatz werden neben den üblichen Steueroasen in der Karibik und dem Pazifik jetzt auch die großen Finanzplätze in London und den USA in den Blick gerückt, die weltweit maßgeblich zu Steuer- und Kapitalflucht beitragen“, sagt Klaus SCHILDER von terre des hommes, der den Index am Montag gemeinsam mit Misereor und dem Global Policy Forum für das deutsche Netzwerk Steuergerechtigkeit in Berlin vorstellt. Die Hälfte der zehn Spitzenplätze des Rankings werden von europäischen Ländern eingenommen (Irland: Platz 6, Belgien: Platz 9). „Bezeichnenderweise hatten die deutschen Krisenbanken IKB und Sachsen LB ihre hochriskanten Geschäfte, mit denen sie in die Pleite rutschten, in Delaware und Irland angesiedelt,“ so Schilder weiter.


Der FSI ist nicht zuletzt als Gegenentwurf zu der Schwarzen und Grauen Liste der Steueroasen gedacht, die die OECD seit April im Auftrag der G20 erstellt. „Diese Steueroasenlisten sind ein stumpfes und von politischen Rücksichtnahmen gezeichnetes Werkzeug“, hebt Jens MARTENS vom Global Policy Forum hervor. „Dabei benötigen Regierungen und Finanzinstitute gerade nach den Erfahrungen der Finanzkrise dringend ein objektives Instrument, um die Risiken, die von Schattenfinanzplätzen ausgehen, einschätzen und möglichst schnell beseitigen zu können.“


„Das OECD-Verfahren taugt bestenfalls zum Weißwaschen schmutziger Geschäfte“, betont auch Georg STOLL von Misereor. „Die öffentlichen Haushalte in Industrie- und Entwicklungsländern geraten immer tiefer in die roten Zahlen, während Armutsbekämpfung und Klimawandel gleichzeitig gigantische globale Kraftanstrengungen erfordern. Wie lange wollen die Regierungen unter diesen dramatischen Umständen einer jährlichen Steuerflucht von mehreren 100 Milliarden Euro noch zuschauen? Die G20 müssen sich endlich diesem Gerechtigkeitsproblem stellen.“

Das Netzwerk Steuergerechtigkeit fordert deshalb die G20 auf, sich auf ein multilaterales Abkommen zu automatischem Austausch von Steuerinformationen zu verständigen.


Der Schattenfinanzindex FSI kann eingesehen werden unter: www.financialsecrecyindex.com/


Weitere Informationen finden sich in den folgenden Materialien:

Der Schattenfinanzindex: Eine Einführung

Welche Finanzplätze werden im Schattenfinanzindex aufgeführt - und warum?

Die Methodik des Schattenfinanzindex

Der Schattenfinanzindex und die Schwarze Liste der OECD
Der Schattenfinanzindex und Korruption


Kontakt: Georg Stoll, Mobil: 0179-4585888

Klaus Schilder, Mobil: 0177-4341642

Jens Martens, Mobil: 0170-7779005


Das internationale Tax Justice Network (http://www.taxjustice.net/) ist ein Zusammenschluss von sozial- und entwicklungspolitischen sowie kirchlichen Organisationen, Wissenschaftler/innen und engagierten Einzelpersonen. Es setzt sich für Reformen gegen Steuerflucht und missbräuchliche Steuervermeidung ein. In Deutschland wird es vom Netzwerk Steuergerechtigkeit vertreten.

Kommentare:

  1. Es ist gut, dass der US-Bundesstaat Delaware endlich einmal erwähnt wird- auch wenn ich persönlich ihn nicht auf Platz 1 erwartet hätte (Wo ist die Isle of Man oder Liechtenstein am Ende der Liste!) Der Luxemburger Premierminister Jean-Claude Juncker kritisierte immer, dass Dalaware nirgendwo gelistet ist; auf Luxemburg hingegen, dass auf internationaler Ebene erheblich verhndlungsbereiter ist, überall aufgeführt ist. Erstaunlich ist aber, dass der groer Lëscht weder Luxemburg, noch die Schweiz aufführen- geschickt ist natürlich, dass die Duebelbesteierungsofkommes von den Oasen gegenseitig unterschrieben werden können...
    Und endlich ist die City of London auch einmal aufgeführt- die haben sich die Briten früher doch gerade erst duch die geschickte Deregulierung erst so "effektiv" entwickeln lassen können! (Oder liege ich falsch?)

    Marco

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  2. Ja ja, mal wieder das leidige Thema. Was Steinbrück und Co. angezettelt hatten wird jetzt weitergeführt. Als Luxemburger finde ich es persönlich auch nicht so prickelnd das eigene Land als Steueroase und Bösewicht dargestellt zu sehen, tatsächlich unterscheide ich klar zwischen Cayman, Liechtenstein und Luxemburg. Und ja, es existieren auch in Lux. dubiose Formen an Kapitaleinlagen die es im umliegenden Ausland so nicht gibt und das ist auch noch alles geheim und nicht einsehbar, da bin auch Ich für mehr Transparenz...andererseits haben wir als kleines Land etliche Krisen gemeistert und nun haut man erneut auf uns drauf, obwohl es sich hier um spezifisches Landesrecht handelt und soweit ich weiss ist Luxemburg ein souveräner Staat. Ich würde mal gerne die Reaktionen der Franzosen oder Deutschen sehen wenn man sich bei ihnen in nationalstaatliche Rechtsnormen einmischen würde...Beispiel: Luxemburg hat keine Wehrpflicht mehr, ich fordere Deutschland auf dem nachzukommen, damit werden wir Kriege in Zukunft vermeiden. Warum? Weil dann keine Soldaten mehr da sind. Logisch, ne? Genau so klingen auch die Forderungen an Luxemburg. Glaubt ihr ernsthaft dass Steuerflucht und illegale Geldgeschäfte aufhören werden wenn alle Steueroasen ausgetrocknet sind??? Klar, wir werden das Bankgeheimnis in den nächsten Jahren bis 2015 oder so aufgeben müssen und arbeiten fleissig an der Erschliessung neuer Sektoren. Als Kleinstaat hat man es nicht leicht...trotzdem: Wir sind noch immer da :)

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