Freitag, 12. November 2010

Wie Google Milliarden US-Dollar mit einer Steueroase spart

Diese Geschichte wurde ursprünglich bei Bloomberg gedruckt, eine deutsche Zusammenfassung des Inhalts befindet sich auf einem Blog (TecZilla). Diese Synopsis drucken wir nachfolgend in ganzer Länge ab (Teczilla/Bernd Kling möge uns verzeihen!).

Die Spur des Geldes führt auf die Bermudas

Google arbeitet mit Steuertricks, die als “doppelter Ire” oder “holländischer Sandwich” bekannt sind und bei vielen multinationalen Unternehmen zum Einsatz kommen. Völlig legal ist das, aber auch moralisch?

Google hält seine Steuerquote für Einnahmen aus Übersee ganz tief bei 2,4 Prozent. Das ist offenbar auf besonders effektive Steuerspar-Algorithmen zurückzuführen, denn vergleichbare Unternehmen wie Apple, IBM, Microsoft und Oracle berichten eine Quote zwischen 4,5 und 25,8 Prozent. Seit 2007 konnte Google auf diese Weise jährlich rund eine Milliarde US-Dollar an Steuerzahlungen vermeiden.

Von Irland über Holland nach Bermuda

Zu versteuernde Einnahmen fließen auf Umwegen auf die Bermadas mit Methoden, die im Fachjargon “Double Irish” und “Dutch Sandwich” heißen. Businessweek folgte der Spur und zeichnete sie nach:

Anzeigenerlöse aus Europa, Nahost oder Afrika werden in Irland eingesammelt. Dort fallen auf die Gewinne im Prinzip 12,5 Prozent Unternehmenssteuern an. Google vermeidet sie jedoch weitgehend durch gezielte Umwege. Direkt auf die Bermudas fließen dürfen die Gewinne nicht, denn das führte wiederum zu einem Steueraufschlag nach irischen Gesetzen. Daher gehen sie zuerst an eine niederländische Niederlassung Googles, die nicht einmal über eigene Mitarbeiter verfügt. Sie reicht 99,8 Prozent davon nach Bermuda weiter, das keine Einkommenssteuer für Körperschaften kennt.

Weitere Ersparnisse an US-Steuern sollen Lizenzvereinbarungen bringen, die Gewinne zwischen Irland und den USA verlagern. Facebook ist angeblich bereits dabei, eine ähnliche Struktur wie Google aufzubauen mit dem Ziel, die Gewinne von Irland auf die Kaimaninsel zu befördern. Auch Microsoft und pharmazeutischen Unternehmen wird eine ähnliche Irland-Bermuda-Connection nachgesagt.

“Google hängt eine Fahne aus, nichts Böses tun zu wollen”, sagt Professor Abraham J. Briloff vom Baruch College, “und dann führen sie das Böse direkt vor unseren Augen aus.” Er findet es um so empörender, da das einst an der Stanford University entwickelte Konzept für eine Suchmaschine, das Googles Milliardengewinnen zugrunde liegt, ursprünglich aus Steuergeldern finanziert wurde.

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