Donnerstag, 15. Dezember 2011

Die Abflüsse illegaler Gelder aus Entwicklungsländern bleiben extrem hoch

Eine neue Studie von Global Financial Integrity (GFI) kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als 900 Milliarden US-Dollars allein im Jahr 2009 aus Entwicklungsländern abgeflossen sind.

Washington DC - Entwicklungsländer haben allein im Jahr 2009 mehr als 900 Milliarden US-Dollar durch illegale Finanzabflüsse verloren - und das trotz der wirtschaftlichen Abkühlung in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise seit dem Jahr 2008. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der in Washington DC ansässigen Nichtregierungsorganisation Global Financial Integrity.
Die Studie trägt den Titel “Illicit Financial Flows from Developing Countries over the Decade Ending 2009”. Sie ist die 3. Ausgabe des jährlich aktualisierten Berichts der Organisation zum Abfluss illegal erworbener oder gebrauchter Gelder aus Entwicklungsländern. Die Kanäle durch die die Gelder fließen blieben dabei die selben: Kriminalität, Korruption und Steuerhinterziehung.
"Die Summe ist atemberaubend," sagt Raymond Baker, Direktor von GFI. "Gerade in Zeiten, in denen sowohl Industrie- als auch Entwicklungsländer mit zu geringen Einnahmen zu kämpfen haben. Unser Bericht sollte die Regierungen der Welt aufrütteln und dafür sorgen, dass endlich etwas gegen diese extrem schädlichen Mittelabflüsse getan wird."
GFI stellt zwar einen Rückgang der schädlichen Geldflüsse seit 2008 fest - damals hatten sie mit 1.550 Milliarden* noch deutlich höher gelegen - führt diesen aber vollständig auf die Effekte der Wirtschafts- und Finanzkrise Ende jenes Jahres zurück. Keinesfalls seien die Rückgänge politischen oder regulativen Veränderungen geschuldet.
Die Autoren der Studie, Dev Kar und Sarah Freitas, verfolgten die Kapitalflüsse aus 157 Entwicklungsländern während der zehn Jahre von 2000 bis 2009. Dabei haben sie eine Rangliste der Länder erstellt, die in diesem Zeitraum in absoluten Zahlen am meisten unter dem Phänomen zu leiden hatten.


Die Top 20 der Länder, die in absoluten Zahlen am meisten unter illegalen Finanzabflüssen leiden

1.China2.740 Mrd. US-Dollar
2.Mexiko504 Mrd. US-Dollar
3.Russland501 Mrd. US-Dollar
4.Saudi-Arabien380 Mrd. US-Dollar
5.Malaysia350 Mrd. US-Dollar
6.Vereinigte Arab. Emirate296 Mrd. US-Dollar
7.Kuwait271 Mrd. US-Dollar
8.Nigeria182 Mrd. US-Dollar
9.Venezuela179 Mrd. US-Dollar
10.Katar175 Mrd. US-Dollar
11.Polen162 Mrd. US-Dollar
12.Indonesien145 Mrd. US-Dollar
13.Philippinen142 Mrd. US-Dollar
14.Kasachstan131 Mrd. US-Dollar
15.Indien128 Mrd. US-Dollar
16.Chile97,5 Mrd. US-Dollar
17.Ukraine95,8 Mrd. US-Dollar
18.Argentinien95,8 Mrd. US-Dollar
19.Südafrika85,5 Mrd. US-Dollar
20.Türkei79,1 Mrd. US-Dollar

Eine vollständige Liste der durchschnittlichen jährlichen Abflüsse findet sich in Tabelle 5 des statistischen Anhangs des Berichts.


Der vollständige Bericht kann hier heruntergeladen werden [PDF 3,69 MB].
Eine Kurzfassung findet sich hier [PDF 150 KB].


* Die Ausgabe des Berichts von 2010 hatte noch von 1.440 Milliarden US-Dollars gesprochen. Seither haben die Weltbank und der IWF ihre Statistiken aktualisiert, so dass GFI seine Schätzung auf 1.550 Milliarden an Abflüssen im Jahr 2008 korrigiert hat.

Kontakt für Rückfragenb bei GFI:
Global Financial Integrity
Clark Gascoigne
cgascoigne@gfintegrity.org
+1 202 293 0740, ext. 222

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