Donnerstag, 19. Januar 2012

Oxfam Studie: Wirtschaftswachstum nur für Reiche

Eine neue Studie von Oxfam legt den Finger in die offene Wunde der neoliberalen Wachstumsideologie. Die Süddeutsche berichtet darüber:
"Die Schere klafft immer weiter auseinander: In Ländern mit hohen Einkommensunterschieden profitieren vor allem diejenigen vom Wirtschaftswachstum, die ohnehin schon vermögend sind, zeigt eine Studie. Die Armen gehen leer aus."
Das Problem unserer Zeit ist nicht mehr, wie wir Wirtschaftswachstum erzwingen können, sondern die Frage, wie eine Wirtschaftsordnung nachhaltig und besonders für Arme funktionieren kann. Das Wachstumsmodell der letzten 30-40 Jahre jedenfalls bricht zusammen: Finanzkrise, Klimawandel und wachstende soziale Polarisierung und Krise zeigen es. Interessant ist, dass die Entwicklung zu mehr wirtschaftlicher Ungleichheit in den letzten Jahren offenbar besonders in den Herzländern des neoliberalen Kapitalismus zu beobachten ist, während Staaten, die eine gesunde Skepsis gegenüber dem Neoliberalen Einheitsbrei gelebt haben (und einseitiges Streichen der Schulden gesetzt haben, wie Argentinien!), Verbesserungen erleben:
"Am meisten hat sich die Einkommensschere in Japan, China und Russland geöffnet, aber auch in Deutschland, Großbritannien, den USA und Kanada gab es seit 1990 eine deutliche Verschlechterung. Etwas geschlossen hat sich die Einkommensschere dagegen in den Schwellenländern Brasilien, Mexiko und Argentinien und als einzigem Industrieland in Südkorea. Saudi Arabien wurde wegen fehlender Zahlen nicht berücksichtigt."
Die Studie belegt einmal mehr, was kritische Wirtschaftswissenschaftler schon seit Jahrzehnten befürchten: dass die Mär vom "trickle-down"-Effekt Wunschdenken ist. Es wäre ja zu schön, wenn die Verbesserung der Lebensverhältnisse aller auf der Welt auch ohne die ungemütlichen Konflikte mit den Reichsten dieser Welt und der eigenen Gier zu erreichen wäre.
"'Diese Analyse zerstört ein für alle mal die selbstgefällige Annahme von Regierungen, sie könnten warten, bis das Wirtschaftswachstum zu den Armen durchsickert', sagt die Co-Autorin der Studie, Caroline Peace. Diese Trickle-Down-Theorie hat eine große Rolle in der Wirtschaftspolitik gespielt. Als Erfinder des Namens gilt David Stockman, Chefberater von Ronald Reagan während dessen Präsidentschaft in den achtziger Jahren. Von einem Laissez-faire-Kapitalismus profitierten laut diesem Ansatz nicht nur diejenigen, die gut im Markt platziert sind, sondern zeitversetzt auch die Ärmsten. Der US-Ökonom Paul Krugman merkte 2008 bissig an: 'Wir warten nun seit 30 Jahren auf diesen Trickle-Down-Effekt - vergeblich.' Die Nichtregierungsorganisation Oxfam empfiehlt die Rückbesinnung auf ein anderes Rezept. 'Umverteilung mit Wachstum'."
Das Problem ist, dass die Umverteilung heute kaum mehr möglich scheint wegen all der Steuer- und Verdunkelungsoasen auf der Welt. Wir erleben die tiefste Krise der Besteuerung von Wohlhabenden und multinationalen Konzernen in der Nachkriegszeit, und absurderweise verbringen unsere Regierungen einen guten Teil ihrer Zeit damit, diese Krise zu leugnen, herunterzuspielen, oder wichtige Zahlen darüber zurückzuhalten. Wie Prozent effektive Steuern bezahlt jeder einzelne der 30 DAX-Konzerne? Warum haben wir diese Zahlen nicht Deutschland?

Weil sie so schön ist, unten nochmal eine humoristische Verarbeitung des "trickle-down" Gedankens.

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