Montag, 22. April 2013

Billige Blumen: eine der weltgrößten Blumenfirmen hat in Kenia Steuern hinterzogen

Wer in Deutschland Blumen kauft, erhält oft das billige Produkt einer globalen Industrie. Einer der führenden Produktionsstaaten in der weltumspannenden Lieferkette ist Kenia. Dort ist die indische Firma Karuturi Betreiber der größten Farm für Schnittrosen. Karuturi liefert ungefähr jede neunte Rose nach Europa, darunter direkt an große deutsche Supermarktketten wie Kaisers/Tengelmann oder Edeka. Dass Firmen wie Karuturi mit Vorsicht zu genießen sind, weil sie anscheinend nicht die versprochenen sozialen Fortschritte bringen, wurde in der Vergangenheit zum Beispiel von der Kampagne Supermarktmacht oder in einer Reportage des SWR betont.

Nun ist noch ein Grund hinzugekommen, der globalen Blumenindustrie kritisch gegenüber zu stehen: Wie einer heutigen Pressemeldung von Tax Justice Network, Grain und anderen Organisationen zu entnehmen ist, wurde Karuturi schon Ende letzten Jahres von der kenianischen Regierung der Steuerhinterziehung in Höhe von umgerechnet 8 Millionen Euro für schuldig befunden. Die Firma soll sich dabei der Manipulation von Verrechnungspreisen bedient haben, indem die Blumen zu falschen Preisen über eine Tochter in Dubai verschifft wurden. Es ist wohl das erste Mal, dass eine afrikanische Regierung in dieser Form gegen ein multinationales Unternehmen vorgeht.

Zwar hat die Firma gegen den Bescheid der Regierung Anfang April vor Gericht geklagt. Aber es scheint sich dennoch wieder einmal zu bestätigen, dass Verrechnungspreise eine Quelle von umfänglicher Steuerhinterziehung sind - und das, obwohl physische Waren wie Rosen noch vergleichsweise einfach zu bewerten sind. Wie Dr. Attiya Warris, Dozentin an der Universität Nairobi und aktiv im Tax Justice Network Africa, laut der Pressemeldung sagt: "Firmen wie Karuturi nehmen Afrika aus. Verrechnungspreismanipulation beraubt die kenianischen Arbeiterinnen und Arbeiter und Bürgerinnen und Bürger ihres Zugangs zu guter öffentlicher Bildung, Gesundheitsversorgung und guten Transportsystemen sowie einer sauberen Umwelt, denn all dies kann unsere Regierung nur durch angemessene Einnahmen sicherstellen."

Billige Blumen haben doch ihren Preis.

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