Mittwoch, 29. Mai 2013

Neuer Bericht: Afrika ist Netto-Gläubiger für den Rest der Welt

Ein neuer gemeinsamer Bericht der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) und Global Financial Integrity (GFI), legt offen, dass der Afrikanische Kontinent dem Rest der Welt gegenüber seit geraumer Zeit Netto-Gläubiger ist. Der Bericht stellt fest, dass Afrika zwischen 1980 und 2009 einen Kapitalverlust von 597 Milliarden bis 1,4 Billionen US-Dollar erlitt.

Der Abfluss von Ressourcen aus Afrika über die letzten 30 Jahre – fast gleichwertig mit Afrikas gegenwärtiger Wirtschaftsleistung – bremst Afrikas Aufschwung,“ sagt Professor Jthuli Ncube, Chefökonom und Vizepräsident der Afrikanischen Entwicklungsbank.

Die traditionelle Sichtweise war bisher, dass der Westen durch Entwicklungshilfe und andere, private Kanäle Geld nach Afrika pumpt, ohne im Gegenzug etwas zurückzuerhalten. Unser Bericht stellt diese Logik auf den Kopf – Afrika stellt seit Jahrzehnten einen Netto-Gläubiger für den Rest der Welt dar, “ sagt Raymond Baker, Präsident von GFI, einer Washingtoner Forschungsinstitution.

Ergebnisse

Ein Team, bestehend aus GFI Chefökonom Dev Kar, GFI Ökonomin Sarah Freitas, der leitenden AfDB Ökonomin Mbabazi Moyo und AfDB Ökonom Guirane Samba Ndiaye, erstellte die Studie. Diese stellt heraus, dass über einen Zeitraum von dreißig Jahren die gesamten Nettoabflüsse von Ressourcen zwischen 1980 und 2009 597 Milliarden bis 1,4 Billionen US Dollar betrugen.

Der Bericht mit dem Titel „Illicit Financial Flows and the Problem of Net Resource Transfers from Africa: 1980-2009“ berücksichtig nicht, welche Kräfte für die illegalen finanziellen Abflüsse verantwortlich sind, da er feststellt, dass dazu länderspezifische Fallstudien notwendig wären. Des Weiteren sind die Umsätze des Drogen- und Menschenhandels und anderer krimineller Aktivitäten, die oft bar vollzogen werden, nicht in der Studie enthalten.

AfDB und GFI merken an, dass diese erheblichen Kapitaltransfers aus dem Kontinent heraus einen negativen Effekt auf wirtschaftliche Entwicklung haben. „Der afrikanische Kontinent ist reich an Ressourcen. Durch einen guten Umgang mit diesen Ressourcen könnte Afrika den Großteil seiner eigenen Entwicklung selbst  finanzieren,“ sagt Ncube.

Über die letzten 30 Jahre flossen auf illegalen Wegen mehr als eine Billion Dollar aus Afrika heraus, was alle Kapitalzuflüsse in den Schatten stellt, und wirtschaftliche Entwicklung lähmt,“ bemerkt GFI Chefökonom Dev Kar. „Diese Abflüsse zu begrenzen, sollte für politische Entscheidungsträger in Afrika und im Westen an erster Stelle stehen, denn sie verursachen in Wechselwirkung das schlechte Wirtschaftsklima und eine allgemein schlechte Regierungsführung, die beide das Wirtschaftswachstum einschränken. Das langsamere Wachstum resultiert in einer größeren Abhängigkeit von  Entwicklungshilfe, durch die ausländische Steuerzahler das Defizit inländischer Staatseinnahmen auffangen."

AfDB und GFI bieten eine Reihe an Empfehlungen

  • Es sollte für Banken und Steuerparadiese verpflichtend werden, der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) regelmäßig detaillierte Guthabendaten zu übermitteln, disaggregiert nach Sektor, Fälligkeit und Land des Wohnsitzes der Einlageninhaber. Der BIZ sollte erlaubt sein, diese länderübergreifenden Bankendaten für spezifische Herkunfts- und Zielländer zu veröffentlichen, idealerweise auf ihrer Website zur Verfügung zu stellen oder zumindest der Zivilgesellschaft und Forschern zugänglich zu machen;
  • Das Problem anonymer Rechtskonstrukte, wie Stiftungen und Trusts, muss angegangen werden; dazu müssen die wirtschaftlichen Eigentümer dieser Vehikel in öffentlichen Registern eingetragen werden;
  • Bereits bestehende Regeln zur Verhinderung von Geldwäsche müssen strikt durchgesetzt werden;
  • Umsätze, Gewinne, Beschäftigtenzahlen und Steuern müssen länderweise berichtet werden.
  • Ein automatischer, länderübergreifender Informationsaustausch in Steuersachen muss eingerichtet werden; 
  • Die Kapazitäten der afrikanischen Steuerbehörden müssen gestärkt werden.
  • Zollbehörden müssen reformiert werden, um gefälschte Rechnungspreise besser aufzudecken;
  • Ressourcenreiche Länder sollten ermutigt werden, gut funktionierende Staatsfonds (sog. Sovereign Wealth Funds) zu gründen und der Open Budget Initiative, sowie der Collaborative Africa Budget Reform Initiative und der Extractive Industries Transparency Initiative beizutreten;
  • Zur Verbesserung der öffentlichen Auftragsvergabe müssen staatliche Behörden reformiert werden.

Der gesamte Bericht steht hier zum Download bereit.

Weitere Informationen finden sich auf dieser Webseite.

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