Freitag, 24. Mai 2013

Publikationshinweis: Wie Steueroasen die Armen ausplündern

Die Hilfsorganisation ActionAid hat heute eine neue Studie vorgestellt, die zeigt, dass fast die Hälfte aller Investitionen in Entwicklungsländern über Steueroasen abgewickelt werden: How Tax Havens Plunder the Poor. Durch diese Praxis können Investoren und Unternehmen Steuern auf Profite umgehen und berauben die ärmsten Länder der Welt dringend benötigter Ressourcen.

Mike Lewis, der für die Studie verantwortliche Steuerexperte bei ActionAid, sagt dazu: „Wie wir das schon bei Fällen wie zum Beispiel Google und Amazon gesehen haben, ist Steuervermeidung ein wichtiges Thema für Industrieländer. Es gibt aber Hinweise darauf, dass arme Länder noch mehr verlieren, und am wenigsten dazu in der Lage sind, ihre öffentlichen Einnahmen zu schützen.
 

Reiche Unternehmen und Investoren, die intransparente Steueroasen verwenden, entziehen Entwicklungsländern Milliarden Dollar an Steuereinnahmen. Steuerparadise stellen eines der Haupthindernisse im Kampf gegen die weltweite Armut dar. Ihre Geheimhaltung sowie schädliche Steuersysteme saugen Geld aus Entwicklungsländern, das dafür verwendet werden könnte, Hunger zu stoppen und Krankenhäuser, Schulen und Trinkwasser bereitzustellen.“

Laut der indischen Regierung hätte in einem Fall eine einzige – vollkommen legale – Transaktion über ein mit Großbritannien verbundenes Steuerparadies 2,2 Milliarden US-Dollar Steuereinnahmen erbracht, wenn diese nicht offshore abgewickelt worden wäre. Das ist beinahe genug, um jedes Indische Grundschulkind für ein ganzes Jahr mit einem subventionierten Mittagessen zu versorgen.
In einem anderen Beispiel erwirtschaftet ein großes Bergbauunternehmen 84 Prozent seiner Einnahmen in Afrika, hat aber nur vier seiner 81 Tochterunternehmen dort registriert. 47 sind in Steueroasen etabliert.

Der ActionAid Bericht erscheint kurz vor dem G8-Gipfel im Juni, an dem die Regierungen der größten Volkswirtschaften der Welt eine Gelegenheit haben, Steueroasen abzuschaffen.

Großbritannien, Gastgeber des diesjährigen G8-Gipfels ist zurzeit für ein Fünftel der weltweiten Steueroasen verantwortlich – mehr als jedes andere Land. 98 der im britischen Aktienindex FTSE 100 notierten Unternehmen haben geschäftliche Beziehungen zu und in Steueroasen. Die G8-Staaten sind zusammen für 40 Prozent aller Steueroasen verantwortlich.

Die OECD schätzt, dass Entwicklungsländer pro Jahr dreimal mehr Geld an Steueroasen verlieren, als sie durch Entwicklungshilfe erhalten.

ActionAid (2013): How Tax Havens Plunder the Poor.
Zur dazugehörigen Pressemitteilung, auf der dieser Blogeintrag beruht.

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