Freitag, 31. Januar 2014

Neueste Nachrichten - Kurzüberblick

Weltwirtschaftsforum in Davos - Oxfam: Globale Ungleichheit untergräbt Demokratie (Finanzen.ch)
Die wachsende soziale Ungleichheit untergräbt demokratische Prozesse, sowohl in Industrie- als auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Das ist das Ergebnis eines Berichtes zur Einkommens- und Vermögensungleichheit, den Oxfam heute kurz vor Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos veröffentlicht.

Kriterien für Straffreiheit: Mehr Härte gegen Steuerhinterzieher (SZ)
Bund und Länder wollen die Regeln für die Selbstanzeige von Steuerhinterziehern deutlich verschärfen. Bisher kam straffrei davon, wer alle hinterzogenen Summen der vergangenen fünf Jahre offenlegte - in Zukunft sollen es doppelt so viele Jahre sein.

Selbstanzeigen von Steuerhinterziehern: Straffreiheit für Asoziale (SZ)
Die ruhigen Zeiten für Steuerhinterzieher sind vorbei: Die Zahl der Selbstanzeigen hat sich 2013 verdreifacht. Der Staat verbucht das als Erfolg - doch moralisch gesehen ist es eine Bankrotterklärung.

Steuer-Selbstanzeigen: Ungerecht, aber rentabel (SZ)
Dass Steuersünder straffrei davonkommen, wenn sie sich selbst anzeigen, ist in der Gesellschaft durchaus unpopulär. Dem Staat bringen die Anzeigen jedoch fast nur Vorteile. Dennoch sollen künftig verschärfte Kriterien für die Straffreiheit gelten.

Nach der Commerzbank-Razzia: Generali streitet Beihilfe zur Steuerhinterziehung ab (Handelsblatt)
In ganz Deutschland hatten jüngst Ermittler Filialen der Commerzbank durchsucht. Sie suchten nach Beweisen, um dem Versicherer Generali Beihilfe zur Steuerhinterziehung nachweisen zu können. Das Unternehmen wehrt sich.

Steuertrick: "Double Irish" Facebook entdeckt den Nano-Steuersatz (SZ)
Irland hat Geld bitter nötig. Doch von den Milliardenumsätzen, die Facebooks irische Tochter macht, bleibt in der Staatskasse praktisch nichts hängen. Neue Zahlen zeigen, wie viel Mark Zuckerberg mit Steuertricks spart.

Cayman Islands: Facebook schleust Millionenbetrag in Steueroase (FAZ)
Die Europazentrale von Facebook residiert in einem Büroviertel in Dublin. Dort nutzt das Unternehmen einen legalen, aber umstrittenen, Steuertrick namens „Double Irish“. 

Dubiose Aktiengeschäfte: Staatsbank HSH soll Staat geplündert haben (SZ)
Die HSH Nordbank war in dubiose Aktiengeschäfte verwickelt, mit denen sie den Staat offenbar über Jahre hinweg um Steuereinnahmen gebracht hat. Es soll um einen dreistelligen Millionenbetrag gehen. Besonders heikel: Die sogennanten Cum-Ex-Deals stammen aus jener Zeit, als die Landesbank mit öffentlichen Milliarden gerettet wurde.

Wenn Verluste im Ausland die Steuer im Inland senken (Standard)
Gruppenbesteuerung in Österreich in Diskussion. Eine Steueroase ist Österreich zwar nicht - aber seit der Einführung der Gruppenbesteuerung 2005 durch den damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser bietet das Steuerrecht einige für Konzerne attraktive Aspekte, die seither heftig in Diskussion sind.

Katz-und-Maus-Spiel mit Konzernsteuern (Standard)
Kampf gegen Steuervermeidung durch Großkonzerne: Doch bei der Umsetzung stehen sich die Staaten selbst im Weg.

Vorwurf der Bestechlichkeit: Kasseler Finanzbeamter weiter im Visier der Ermittler (HNA)
Die Ermittlungen gegen einen 45-jährigen Finanzbeamten aus Kassel wegen des Verdachts der Bestechlichkeit sowie Steuerhinterziehung dauern an.

Steuerparadies in der Karibik: Goldman-Sachs-Banker nutzte Briefkastenfirmen (SZ)
Einem der erfolgreichsten deutschen Banker droht Ärger mit den Steuerbehörden: Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von Goldman Sachs, hat sich eine Luxusimmobilie über Briefkastenfirmen in der Karibik gekauft. Jetzt könnte er nicht nur Probleme mit dem Finanzamt bekommen, sondern auch mit seinem Arbeitgeber.

Prozess wegen Steuerhinterziehung: So kann Hoeneß’ Staranwalt ihn vor dem Knast bewahren (Focus)
Offenbar wird die Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß in mehrere Teile zerlegt. Für den Bayern-Präsidenten kann das von Vorteil sein. Er kann auf ein milderes Urteil hoffen.

Fall Uli Hoeneß: Staatsanwaltschaft durchsucht Fiskus (SZ)
Ermittler der Münchner Staatsanwaltschaft haben im Fall Hoeneß Finanzbehörden in Miesbach und Nürnberg durchsucht. Der Verdacht: Das Steuergeheimnis des FC-Bayern-Präsidenten sei verletzt worden. Das könnte ihm bei seinem Prozess wegen Steuerhinterziehung behilflich sein.

Steueraffäre: Hoeneß nimmt sich neuen Anwalt (Spiegel)
Uli Hoeneß hat einen neuen Rechtsanwalt. Der Promi-Verteidiger Hanns W. Feigen soll den Bayern-Präsidenten vor Gericht vertreten. Die Liste seiner bisherigen Mandanten liest sich wie das Who's who der deutschen Wirtschaft: Klaus Zumwinkel, Wendelin Wiedeking, Jürgen Fitschen.

Steuerhinterziehung: Strafbefehl für Ex-Bundesliga-Star Diego Placente (Goal)
Nach der Steueraffäre und der anschließenden Haftstrafe des Ex-Bundesligaprofis Diego Placente durfte dieser wieder in seine Heimat Argentinien zurückkehren.

Fiskus trocknet Steueroase Entwicklungshilfe aus (Welt)
Mitarbeiter der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit müssen jetzt Steuern zahlen. Der Staat beendet damit die Tolerierung einer illegalen Praxis. Schuld ist ausgerechnet ein GIZ-Mitarbeiter.

Europawahlkampf: Linke nimmt „Steuertourismus“ ins Visier (Handelsblatt)
Die Linke hält es für richtig, dass der Begriff „Sozialtourismus“  zum Unwort des Jahres gewählt wurde. Eine andere Art von Tourismus findet Parteichef Riexinger aber noch viel kritikwürdiger.

Neue Daten-CD: Ermittler spüren Dutzende mutmaßliche Steuersünder auf (Spiegel)
Deutsche Ermittler haben nach SPIEGEL-Informationen erneut eine CD mit Daten mutmaßlicher Steuersünder erhalten. Dutzende Wohnungen von Kunden der Leumi-Bank wurden durchsucht. Darunter sind offenbar mehrere Prominente, zudem sind die Beträge auf den Schweizer Konten teils sehr hoch.

Kriminalität: Steuersünder-Verdacht: Kölner Staatsanwälte ermitteln (T-Online)
Nach dem Ankauf einer weiteren CD mit Steuerdaten durch das nordrhein-westfälische Finanzministerium ermittelt die Kölner Staatsanwaltschaft.

Verdacht der Steuerhinterziehung: Tochter von Juan Carlos muss vor Gericht (heute.at)
Das Jahr beginnt mit einer schlechten Nachricht für den spanischen König Juan Carlos: Im Korruptionsskandal um seinen Schwiegersohn Iñaki Urdangarin muss sich nun auch seine Tochter, Infantin Cristina, vor Gericht verantworten.

 Steuerhinterziehung: Journalist Theo Sommer zu Bewährungsstrafe verurteilt (Spiegel)
"Ich weiß, was ich getan habe": Der frühere Chefredakteur und heutige "Editor-at-large" der Wochenzeitung "Die Zeit" hat Steuern im sechsstelligen Euro-Bereich nicht bezahlt. Dafür hat ein Hamburger Gericht Theo Sommer nun zur Verantwortung gezogen.

Staatsanwaltschaft klagt fünf Unister-Manager an (Welt)
Mehr als ein Jahr hat die Generalstaatsanwaltschaft ermittelt. Nun erhebt sie Anklage gegen fünf Unister-Manager. Dem Ab-in-den-Urlaub.de-Betreiber wird unter anderem Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Bizarrer Prozess: Erster Steuersünder klagt wegen Ankauf von Daten-CD (Bild)
Er hat Steuern hinterzogen und flog auf – jetzt verklagt er den Deutschen Staat!

Steuervermeidung: Steuer-Ermittlungen gegen Prada-Eigner (Handelsblatt)
420 Millionen Euro haben Prada-Chef Patrizio Bertelli und seine Ehefrau die Designerin Miuccia Prada bereits an Italiens Steuerbehörde überwiesen – doch das reicht nicht. Untersuchungen wegen Steuervermeidung laufen.

Österreich lüftet Bankgeheimnis für USA (Standard)
Das Abkommen über den Austausch sensibler Steuerinformationen ist ausverhandelt. Strittig ist, ob Österreich Verfassungsgesetz ändern muss.

Zinsskandal: BaFin erhebt schwere Vorwürfe gegen Deutsche Bank (manager-magazin)
In der Affäre um manipulierte Zinssätze gerät die Führung der Deutschen Bank unter Druck. Nach Informationen des "Spiegel" kritisiert die Finanzaufsicht BaFin in einem Bericht die mangelnde Aufarbeitung der Vorwürfe - und spricht personelle Konsequenzen an.

Vorwürfe gegen Julius Bär: „Steuerhinterziehung als Geschäftsmodell“ (Handelsblatt)
Die Schweizer Bank Julius Bär soll gezielt reiche Amerikaner als Kunden geworben haben, um ihnen bei der Steuerhinterziehung zu helfen. Eine Urteilsschrift des Schweizer Bundesverwaltungsgerichts nennt brisante Details.

Steuerhinterziehung von Amerikanern: Schweizer Banken unter Handlungsdruck (FAZ)
Fast 300 Finanzinstitute müssen der Finanzmarktaufsicht erklären, ob sie mit ihren Geschäften amerikanische Steuergesetze verletzt haben. Die Höhe der Geldbußen hängt davon ab, in welche Kategorie sich die Banken einordnen.

Steuerhinterziehungsvorwürfe: Schweizer Banken stecken im Dilemma (Handelsblatt)
Seit fast fünf Jahren überhäufen die US-Justizbehörden Schweizer Banken mit Steuerhinterziehungsvorwürfen. Mit einem Schuldeingeständnis der Institute könnte das ein Ende nehmen. Doch der Preis für den Frieden ist hoch.

Steuerstreit: Schweizer Bank will sich in den USA selbst anzeigen (Handelsblatt)
Der Streit zwischen der Schweiz und den USA scheint endlos. Eine kleine Bank geht nun mit einer Selbstanzeige in die Offensive. Doch über ein Dutzend andere Banken stehen weiterhin unter Beschuss.

Steuerstreit mit USA: Vontobel lässt Frist für Selbstanzeige verstreichen (Handelsblatt)
Bis Montag konnten sich Schweizer Banken wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA anzeigen und dann auf Milde der Behörden hoffen. Ein kleines Institut geht den Weg, der Vermögensverwalter Vontobel nicht.

Spitzenmanager: Risiko-Chef Guldimann verlässt Credit Suisse (Handelsblatt)
Die Schweizer Großbank Credit Suisse verabschiedet mit Tobias Guldimann einen weiteren führenden Manager. Dabei war für den Risiko-Chef bereits ein Postenwechsel innerhalb des Unternehmens vorgesehen.

Pläne zur Bankenunion: Steuerzahler sollen nun doch haften (SZ)
Wird das Versprechen nun doch gebrochen? Der Plan für die Bankenunion sieht vor, dass Banken sich in Zukunft selber retten sollen. Doch die EU-Finanzminister in Brüssel beraten über Ausnahmen, die für die Rettung von Banken die Staaten, also die Steuerzahler, wieder in die Pflicht nehmen sollen.

Wo die Milliarden brennen: City of London – die größte Steueroase der Welt (FreieWelt)
Es ist ein Geheimnis, das keines ist. Im Herzen Londons liegt ein autonomer Staat, die City of London. Nur ihren eigenen Regeln unterworfen, ist sie wohl die größte Steueroase der Welt.

Anzahl der Steueroasen nimmt ab (Ecovis)
Heutzutage ist es nicht mehr so einfach Steuern zu hinterziehen, da die meisten Staaten die Kontrolle der Steuererklärungen verstärken.

Genossen in der Steueroase (Handelsblatt)
Trotz der jüngsten Regulierung von Fondsgebühren durch die BaFin bedienen sich Genossenschaftsbanken und die Deutsche Bank dank Luxemburger Schlupflöcher weiter bei ihren Kunden. Doch es gibt auch positive Beispiele.

Finanzierung von Großkonzernen: Schmutzige Geschäfte (SZ)
Umweltzerstörung, Korruption und Menschenrechtsverletzungen: Viele globale Konzerne verdienen ihr Geld nach wie vor mit fragwürdigen Geschäftsmodellen. Die Finanzbranche finanziert diese oft bedenkenlos, wie eine neue Untersuchung zeigt. Einer der größten Geldgeber kommt aus Deutschland.

Rüstungsindustrie und Universitäten: Kriegsforschung in der Friedensstadt (SZ)
Augsburg, Erlangen oder München: Viele bayerische Hochschulen kooperieren mit der Rüstungsindustrie. Auch das Verteidigungsministerium und die US-Army vergeben Aufträge an die Forschungsinstitute. Kritiker bemängeln, diese Bündnisse seien undurchsichtig.

OECD macht Vorschläge zu Transparenz bei Verrechnungspreisen

Die OECD hat im Rahmen ihrer Arbeit zu Konzernsteuervermeidung ("Base Erosion and Profit Shifting", BEPS) einen Entwurf zu Transfer Pricing Documentation and Country-by-Country-Reporting veröffentlicht.

Eingaben an die OECD sind möglich bis an transferpricing@oecd.org bis 23. Februar 2014. Es soll Ende März auch eine öffentliche Anhörung in Paris geben.

Auch die von der Zivilgesellschaft und Steuerexperten eingerichtete BEPS Monitoring Group wird eine Eingabe machen. Richard Murphy von Tax Research UK, der die Arbeit dazu koordiniert, hat den Entwurf der OECD schon kritisch kommentiert.

Donnerstag, 30. Januar 2014

Veranstaltungshinweis: Banken außer Kontrolle? Warum Whistleblower für Justiz und Verwaltung ein unverzichtbares Frühwarnsystem sind



Öffentliche Diskussionsveranstaltung am
Freitag, 21. Februar 19 Uhr
Banken außer Kontrolle?
Warum Whistleblower für Justiz
und Verwaltung ein unverzichtbares Frühwarnsystem sind.

Ort: Deutschlands Bankenmetropole Frankfurt/M., im Saalbau DGB,
        Wilhelm-Leuschner-Str. 69 – 77, 60327 Frankfurt am Main.

Spätestens seit der Finanzkrise sind Banken in den öffentlichen Fokus geraten. Und ihre Praktiken. Jetzt müssen Staat bzw. die Bürger dafür zahlen. Banken sind aber nicht nur für den Beinahe-Zusammenbruch des Geldsystems verantwortlich. Sie sind auch smarte Helfer für Steuerhinterzieher: für solche, die alle Vorteile mitnehmen, aber nicht in die ‚Gemeinschaftskasse’ einzahlen wollen. Ein paradoxes Phänomen.

Whistleblower, also Menschen, die rechtzeitig Alarm schlagen, könn(t)en vieles verhindern. Warum werden sie stattdessen gemobbt, gekündigt und verfolgt? Und vom Staat, der Öffentlichkeit und den Medien im Stich gelassen? Mehr Hintergrundinfos hier

Auf dem Podium:
·         Rudolf Elmer, ehem. Bankhaus Julius Bär, Zürich / Cayman Islands
·         Andrea Fuchs, ehem. Wertpapierhändlerin der DZ Bank, Frankfurt/M.
·         Dr. Wilhelm Schlötterer, ehem. Ministerialrat der Bayer. Finanzverwaltung
·         Frank Wehrheim, ehem. Steuerfahnder Finanzamt Frankfurt/M

Moderation:
·         Prof. Dr. Johannes Ludwig, DokZentrum ansTageslicht.de an der HAW, Hamburg

Veranstalter:
  • Whistleblower-Netzwerk e.V.
  • DokZentrum ansTageslicht.de
  • DGB-Stadtverband Frankfurt am Main

Steueroase Deutschland bei Frontal 21

Aus dem Aufmacher von Frontal 21 vom 28.1.2014:

"Steueroasen sind weit weg, Deutschland ist dagegen redlich und gehört zu den Guten. An diesem gängigen Klischee, an diesem Selbstbild der Deutschen rüttelt eine Gruppe von Steuerexperten. Sie treten für eine gerechte globale Besteuerung ein. Auch in Deutschland finden sich zahlreiche Steuerumgehungsmöglichkeiten: Steuerlücken, die nicht geschlossen werden, Gewinnverschiebungen zwischen europäischen Staaten oder etwa die Anonymisierung von Kapital. Alles Steuerpraktiken, die man bislang eher in exotischen Steuerfluchtburgen vermutet.

Frontal21 berichtet, warum Deutschland ganz oben in der Liste der Steueroasen rangiert und wie leicht Großverdiener ihre Gewinne vor dem Fiskus verschleiern können."

Eine sehenswerter Beitrag, der die Themen aus "Schattenfinanzzentrum Deutschland" und dem Schattenfinanzindex aufgreift.

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2077054/Steueroase-Deutschland#/beitrag/video/2077054/Steueroase-Deutschland

Donnerstag, 23. Januar 2014

Report: Schweizer Steuerabkommen benachteiligen Entwicklungsländer

Von Mark Herkenrath, Alliance Sud

Zum Thema Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) ist an der Universität Bern ein interessanter Report im Auftrag des Schweizer Außenministeriums erschienen. Er beschäftigt sich mit den DBA der Schweiz mit Entwicklungsländern. Der Bericht findet sich allerdings recht versteckt auf der Webseite des Ministeriums, und wurde erst mehrere Monate nach der Fertigstellung überhaupt aufgeschaltet – wohl weil die Ergebnisse die Schweiz in keinem guten Licht dastehen lassen. Kurz zusammengefasst zeigt er, dass zwar die jüngsten DBA der Schweiz endlich Informationsabfragen in Einzelfällen ermöglichen, die Entwicklungsländer aber in zahlreichen wichtigen steuerlichen Belangen stark benachteiligen. Die wichtigsten Ergebnisse des Reports sind:
  • Es gibt keine überzeugenden empirischen Belege für die gängige Annahme, dass DBA ausländische Direktinvestitionen begünstigen würden (vgl. S. 21).
  • Die Schweiz unterhält „lediglich mit rund einem Viertel der 134 Entwicklungsländer ein DBA. Davon enthalten bislang nur vier ratifizierte Abkommen den OECD-Standard zum Informationsaustausch [d.h. auf Einzelanfrage].“ (S. 2)
  • „Um vorteilhaftere Rahmenbedingungen für Fremdinvestitionen zu schaffen, verfolgt die Schweiz zusammen mit anderen OECD-Ländern zudem die einseitige Strategie, die Entwicklungsländer auf möglichst tiefe Quellensteuern festzulegen.“ (S. 2) Quellensteuern auf Einnahmen aus Lizenzgebühren und Zinsen können jedoch ein wirksames Mittel sein, um Verrechnungspreismanipulation und missbräuchliche Verlagerung von Gewinnen durch Lizenzvereinbarungen und unternehmensinterne Krediten zu unterbinden.
  • Dem „‚Transfer Mispricing‘ [Verrechnungspreismanipulation] [… ] kann das Fremdvergleichs-Prinzip (‚Arm’s Length-Prinzip‘), das in den meisten DBA enthalten ist, zu wenig entgegenhalten.“ (S. 3).
  • Im Hinblick auf die Definition und Besteuerung der Betriebsstätte heißt es: „Die Schweizer DBAs mit Entwicklungsländern geben hier ein uneinheitliches Bild ab. Sie sind das offensichtliche Resultat von ‚Bargaining‘ zwischen stärkeren und schwächeren Partnern und enthalten tendenziell für die Schweiz vorteilhaftere Regelungen.“ (ebd.) Dieses Thema ist insofern bedeutsam als am Vorliegen einer Betriebsstätte (im Englischen heißt sie etwas treffender „permanent establishment“) die gesamte Besteuerung hängt und eine enge Definition den Entwicklungsländern eher Nachteile bringt.
  • Für Entwicklungsländer, die einen Informationsaustausch auf Anfrage mit der Schweiz anstreben, dürften Abkommen über den Informationsaustausch in Steuersachen (TIEA) den DBA demnach klar vorzuziehen sein. „Diese begrenzen sich auf den Informationsaustausch, sodass der Gefahr begegnet werden kann, im Gegenzug zum Informationsaustausch tiefe Quellensteuersätze akzeptieren zu müssen.“ (ebd.) Jedoch hat die Schweiz „mangels Anfragen noch kein TIEA mit Entwicklungsländern abgeschlossen“. (ebd.)
Eine – wenn auch nicht so umfassende – Bewertung der DBA von Deutschland mit Entwicklungsländern findet sich im Übrigen im Report Schattenfinanzzentrum Deutschland (Kapitel 3.6).

Mittwoch, 22. Januar 2014

Enorme Vermögenswerte der chinesischen Elite in Steueroasen deponiert

Investigativer Journalismus deckt geheime Vermögen der chinesischen Elite auf

Nahe Verwandte hochrangiger chinesischer Politiker_innen verfügen über geheime Offshore-Gesellschaften in Steueroasen. Diese halfen, den Reichtum der kommunistischen Parteiführung zu verschleiern. Diese brisanten Informationen verrät ein durchgesickertes Dossier, das von dem Internatinonal Consortium of Investigative Journalists in Washington analysiert und veröffentlicht wurde. Die vertraulichen Daten enthalten Details über die Miteigentümerschaft an einer Immobiliengesellschaft durch den Schwager des momentanen Präsidenten Xi Jinping, sowie Unternehmen auf den British Virgin Islands, die von Sohn und Schwager des ehemaligen Premierministers Wen Jiabao gegründet wurden.

Fast 22.000 Offshore-Kunden mit Adressen auf dem chinesischen Festland und Hong Kong erscheinen in den vom International Consortium of Investigative Journalists analysierten Dateien. Unter ihnen sind einige von Chinas mächtigsten Männern und Frauen - darunter mindestens 15 von Chinas reichsten Mitgliedern des Nationalen Volkskongresses und Führungskräfte aus staatlichen Unternehmen, die in Korruptionsskandale verwickelt sind.

Pricewaterhousecoopers, UBS und andere globale Banken und Wirtschaftsprüfungsunternehmen spielten laut ICIJ eine wichtige Rolle als Zwischenhändler bei der Unterstützung chinesischer Kunden und boten als Dienstleistung an, ihnen beispielsweise Trusts und Gesellschaften in den British Virgin Islands, Samoa und andere Offshore-Zentren einzurichten. Solche Scheinfirmen dienen dazu, Reichtum zu verbergen. ICIJ berichtet zum Beispiel, dass der Schweizer Finanzriese Credit Suisse Wen Jiabaos Sohn dabei untestützt haben soll, eine Firma zu gründen, während sein Vater das Land regierte.

Top-Level-Korruption ist ein politisch höchst explosives Thema in China, einem Land, in dem das Wohlstandsgefälle immer größer wird.

Den gesamten Bericht "Leaked Records Reveal Offshore Holdings of China’s Elite" in englischer Sprache hier lesen.

Donnerstag, 16. Januar 2014

Doppelbesteuerungsabkommen - einseitiger Profit?

Radiobeitrag zu Doppelbesteuerungsabkommen 

Die Schweiz hat zwar im Rahmen der UNO-Millenniumsziele versprochen, Entwicklungsländern bei der Bekämpfung von Steuerhinterziehung zu helfen. Doch etwa bei Doppelbesteuerungsabkommen kommen Entwicklungsländer oft zu kurz. Gegenüber Ländern des Südens ist es offizielle Verhandlungsposition des Landes, diese Doppelbesteuerungsabkommen zu nutzen, um niedirge Steuersätze für Schweizer Unternehmen durchzusetzen.

Das zeigt eine neue Studie der Universität Bern zum Thema Schweizer Doppelbesteuerunsgabkommen: Aktuelle Politik und Entwicklungsrelevanz

Dass sich diese Praxis nicht wesentlich von dem Umgang unterscheidet, den Deutschland gegenüber Ländern des Südens an den Tag legt, macht Markus Henn von der globalisierungskritischen NGO WEED im Radiointerview deutlich. Er beantwortet auch die Frage, wieso Entwicklungsländer überhaupt solche Abkommen mit reichen Ländern wie der Schweiz abschließen.


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