Donnerstag, 17. März 2011

Teilerfolg: Europäischer Rat fordert Rechnungslegung nach Ländern

Bereits vergangene Woche hat der Europäische Rat die Kommission formal aufgefordert (pdf), Vorschläge für einen neuen Rechnungslegungsstandard für Unternehmen im Rohstoffsektor zu erarbeiten. Dieser solle einzelne Elemente der Bilanzen nach Ländern aufschlüsseln, in denen diese Konzerne aktiv sind (Hintergrund hier, pdf).

Damit würde ansatzweise Transparenz zumindest in einem für Entwicklungsländer sehr wichtigen Sektor geschaffen. Der Vorschlag TJN's zur Rechnungslegung nach Ländern geht jedoch weiter. Auch bei Pharmakonzernen und in vielen anderen Sektoren würde eine Offenlegungspflicht unterteilt nach Ländern viel Delikates ans Licht bringen.

Die genauen Details bleiben abzuwarten, doch formiert sich im Unternehmenssektor bereits erheblicher Widerstand (vor allem Shell! Details hier und hier) gegen eine vollumfassende Offenlegung wie sie TJN fordert:
Rechnungslegung nach Ländern würde bedeuten, dass transnationale Konzerne in ihrer Rechnungslegung lückenlos offen legen müssten:
- in welchen Ländern sie tätig sind;
- unter welchem Namen sie in jedem dieser Länder tätig sind;
- ihr Finanzergebnis in den Ländern, in denen sie tätig sind einschließlich:
- Umsätze, sowohl konzernintern als auch nach außen;
- ihren Einkauf, genauso aufgegliedert;
- Finanzierungskosten, genauso aufgegliedert;
- Lohn- und Gehaltskosten sowie Beschäftigtenzahlen;
- Gewinn vor Steuern;
- die an die Behörden des Standorts der Geschäftstätigkeit abgeführten Steuern.

Diese Angaben müssen mit den veröffentlichten Jahresabschlüssen der Unternehmen übereinstimmen. Da die transnationalen Konzerne zu Zwecken ihrer internen Buchhaltung bereits über sämtliche Daten verfügen, deren Veröffentlichung wir fordern, verursacht eine Rechnungslegung nach Ländern für sie keine oder allenfalls geringe Kosten.
Dem Beschluss des Europäischen Rates vorausgegangen war eine Entschließung des Europaparlaments, in dem der Rat und die Kommission aufgefordert wurden, sich für einen Bilanzierungsstandard samt Rechnungslegung nach Ländern stark zu machen (wir berichteten hier).

Das Tauziehen geht jetzt erst richtig los. Zwar sind schon einige wesentliche Punkte durch Konzerndruck von der Agenda verschwunden, aber noch gibt es z.B. die Möglichkeit, auch die ausgewiesenen Profite neben den Steuerzahlungen in den verbindlichen Standard einzubringen (Hintergrund hier). Herr Schäuble, wofür setzen Sie sich ein?

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